Geschichte des Fassatals

Geschichte des Fassatals

Die Anfänge

Das alte Wappen der fassanischen Talgemeinde, das auf einem Fresko aus dem Jahre 1607 im bischöflichen Palais zu Brixen dokumentiert ist, stellt einen Hirten dar. In der Tat war die Viehzucht (in erster Linie Schafzucht) die Tätigkeit, die fassanische Bevölkerung schon in Ältester Zeit charakterisierte.

Die ausgedehnten Hochgebirgsweiden (“le mont”), boten zahlreichen Herden ausreichend Nahrung. Die Herden überwinterten in den Sümpfen des Bozner Beckens, wo die Fassaner althergebrachte Weiderechte besaßen, die die über viele Jahre hinweg mutig gegen jeden Übergriff verteidigten.

Die ersten Zeugnisse der Anwesenheit von Menschen in den Dolomitentälern stammen aus dem Mesolithikum (etwa 8000-5000 v.Ch.), als Jäger aus der Poebene und dem Piemont die Alpenpässe und die Hochgebirgsweiden zu durchstreifen begannen, die unsere Gletscher durch ihren Rückzug freigegeben hatten. Man folgte den Spuren des Großwilds, das dort zu finden war: Hirsche, Wildschweine und in größerer Höhe auch Steinböcke und Gämsen.

Die Räter

Die Bewohner der alpinen Zone nördlich von Verona und Como wurden von den römischen Historikern so genannt. Die Räter, ein geheimnisumwobenes Volk, unklarer Herkunft (vielleicht vorindogermanisch), haben zahlreiche Spuren ihrer bäuerlichen Kultur von den Rheinquellen bis ins Etschtal, vom Inntal bis an die Dolomiten hinterlassen. Archäologen bestätigen die Existenz einer Kultureinheit in diesem Gebiet ab der jüngeren Eisenzeit (5. Jahrhundert v.Ch.), der sogenannten Fritzens-Sanzeno-Kultur oder eben dem Rätischen Horizont.

Auch im Fassatal gibt es zahlreiche Zeugnisse von Siedlungen, die diesem kulturellen Horizont angehörten. Die „Rätische Burg“ auf dem Joch Pigui, in der Nähe von Mazzin auf 1550 m. gelegen, ist ein typisches Beispiel befestigter Ansiedlungen der rätischen Kultur; es handelte sich um ein kleines Dorf, umgeben von einem massiven Verteidigungswall, in dessen Mitte sich die Wohnhäuser befanden, die aus Baumstämmen aufgebaut waren.

Die ladinische Sprache

Der Anschluss Rätiens an das Römische Reich brachte die Verbreitung der lateinischen Sprache unter der einheimischen Bevölkerung. Das Vulgärlatein, verbreitet unter den Soldaten und römischen Händlern, machte im Laufe der Jahrhunderte eine Wandlung durch, infolge der sich daraus das Ladinische oder „Rätoromanische“ entwickelte.

Es gibt Hinweise dafür, daß sich in der Vergangenheit ein weites Gebiet – von der Quelle des Rheins bis Triest, von der Donau bis zum Gardasee – dieser aufkeimenden Sprache bediente. In den Jahrhunderten, die dem Untergang des Römischen Reiches folgten, unterbrachen massive Völkerwanderungen den Zusammenhang des protoladinischen Areals. Gegen 600 n.Ch kamen aus dem Norden die Alemannen und Baiuwaren, um sich in einigen alpinen Tälern niederzulassen, während slavische Völkerschaften drangen von Osten her vor. Schließlich wurde Friaul und Cadore von Venezien erobert (15 Jht.), was zur Erosion des Ladinischen durch das Venezianische wesentlich beitrug. Das Ladinische ist heute in viele Ortsmundarten aufgesplittert, die aber trotzdem ein eigenständiges Sprachsystem bilden.